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Tomas Etzler

Tomas Etzler

Journalist, CNN-Producer, Autor, Emmy-Award-Gewinner

Tomas Etzler wurde 1963 in der tschechischen Industrie- und Kohlestadt Ostrava geboren. Sein Vater war Universitätsprofessor für Literatur und ein bekannter Theaterkritiker, seine Mutter Opernsängerin. Er wuchs sozusagen mit dem Theater auf.

Als Kind und Jugendlicher war er sportlich sehr aktiv: Leichtathletik, Schwimmen, Basketball, Fussball und Klettern beeinflussten auch seine Entscheidung, Sportlehrer zu werden. Seine unerfüllten Reiseträume – Tschechen konnten während des Kommunismus kaum reisen – bewogen ihn, im Nebenfach Geografie zu studieren.

Nach Beendigung des Studiums 1987 fand Etzler zunächst keine Arbeit. Im Juni 1987 bewarb er sich neben 40 anderen als Dramaturg für Musiksendungen beim Tschechoslowakischen Fernsehen und erhielt den Job. Er wurde Dramaturg und Produzent für Sendungen über Rock und klassische Musik. Bald war er wegen der ständigen Zensur seiner Arbeit desillusioniert. 1989 unterzeichnete er eine von Vaclav Havel verfasste antikommunistische Petition und verlor den Job beim Fernsehen. Er wurde sofort ins Militär eingezogen.

Etzler leistete Militärdienst, als im November 1989 der Kommunismus in der Tschechoslowakei zusammenbrach.

Er kehrte zum Fernsehen zurück, in der Hoffnung auf einen bedeutenden personellen Wandel. Doch nichts dergleichen geschah. Die Leute, die seine Arbeit zensuriert und ihn wegen der Kritik am kommunistischen Regime entlassen hatten, blieben beim Sender und sind dort bis heute in leitender Stellung. Etzler wollte nicht dazu gehören und reiste im August 1991 in die Vereinigten Staaten aus.

Während der ersten sechs Jahre in den USA nahm er jeden erdenklichen Job an: Toilettenreinigung, Bauarbeiten, Betreuung von Alzheimerkranken, Reinigung von Hochhausfenstern. 1996 beschloss er, wieder an die Universität zu gehen, machte die Aufnahmeprüfungen und schrieb sich an der Journalistenschule der University of Colorado in Boulder ein. Er lebte in Denver, als sich im April 1999 der Amoklauf an der Columbine High School ereignete. Alle wichtigen Nachrichtenmedien kamen nach Denver, um darüber zu berichten, und suchten lokale Unterstützung. Etzler wurde von CNN als Fahrer angeheuert.

Er arbeitete eng mit dem CNN-Team zusammen und realisierte, dass er wahrscheinlich nie mehr so nahe an Entscheidungsträger eines grossen Senders herankommen würde. Abends recherchierte er jeweils Stunden im Internet nach neuen Blickwinkeln, aus denen die Tragödie erzählt werden könnte. Vier Tage nach dem Massaker legte Etzler ein paar Ideen für Geschichten vor, die CNN gefielen. Man liess ihn machen, da nicht genug Personal vorhanden war. Innerhalb eines Tages war Etzler vom Fahrer zum Produzenten geworden. Drei Wochen nach Beendigung der Berichterstattung über Columbine bot man ihm eine Stelle beim CNN International Desk in Atlanta an. Noch Jahre später nannten ihn Kollegen bei CNN «das Wunder von Columbine».

Der Bürojob in Atlanta langweilte ihn bald, weshalb er sich um eine Stelle als Field Producer bemühte. Im September 2000 kam er anlässlich der gewaltsamen Globalisierungsproteste an der Konferenz von IWF und Weltbank in Prag zu seinem ersten Auftrag. Nachdem er seinem Vorgesetzten wochenlang Ideen für Geschichten und Berichte aus Prag geliefert hatte, erteilte ihm dieser schliesslich einen Produktionsauftrag. Prag war ein Riesenerfolg, nach dem Etzler zu seinem Bürojob als Nachrichtenredakteur nach Atlanta zurückkehrte. Während der Maul- und Klauenseuche 2001 in England bekam er seinen zweiten Auftrag. Dann ereignete sich 9/11.

Etzler erkannte schnell, was geschehen würde und meldete sich freiwillig für Afghanistan. Man teilte ihm mit, dass er keine Kriegserfahrung habe und CNN nur erfahrene Produzenten entsenden würde, die schon in Tschetschenien und Bosnien waren. Er besorgte sich trotzdem ein Visum für Afghanistan und wartete auf eine Gelegenheit. Diese bot sich im Januar 2002, als ein Produzent zwei Tag vor seinem Einsatz in Afghanistan erkrankte und nicht reisen konnte. Am CNN International Desk herrschte Panik, da unmöglich so schnell ein Reisevisum zu erhalten war. «Ich habe ein Visum», sagte Etzler und 48 Stunden später sass er im Flugzeug.

Dies war ein Wendepunkt in seiner Karriere bei CNN.

Etzler verbrachte drei Monate in Afghanistan. Die Reise brachte ihm grossen beruflichen Erfolg, ab dann war er ständig auf Reisen. Er verbrachte insgesamt je zwei Jahre in Afghanistan und Irak. 2005 wurde er CNN-Produzent in Berlin, berichtete aber weiterhin ausführlich über Konflikte im Mittleren Osten.

2006 heiratete Etzler die China-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens Barbara Lüthi. Sie beschlossen, gemeinsam nach Peking zu ziehen. Er übernahm eine Korrespondentenstelle für das Tschechische Fernsehen und blieb weiterhin CNN-Produzent für China und das restliche Asien. So berichtete er beispielsweise für CNN über die Ermordung Osama Bin Ladens 2011 in Pakistan.

2008 erhielt Tomas Etzler einen Emmy für die Entwicklung und Implementierung eines digitalen Systems zur Nachrichtenbeschaffung.

Etzler lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern hauptsächlich in Hongkong.

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Tomas Etzler wurde 1963 in der tschechischen Industrie- und Kohlestadt Ostrava geboren. Sein Vater war Universitätsprofessor für Literatur und ein bekannter Theaterkritiker, seine Mutter Opernsängerin. Er wuchs sozusagen mit dem Theater auf.

Als Kind und Jugendlicher war er sportlich sehr aktiv: Leichtathletik, Schwimmen, Basketball, Fussball und Klettern beeinflussten auch seine Entscheidung, Sportlehrer zu werden. Seine unerfüllten Reiseträume – Tschechen konnten während des Kommunismus kaum reisen – bewogen ihn, im Nebenfach Geografie zu studieren.

Nach Beendigung des Studiums 1987 fand Etzler zunächst keine Arbeit. Im Juni 1987 bewarb er sich neben 40 anderen als Dramaturg für Musiksendungen beim Tschechoslowakischen Fernsehen und erhielt den Job. Er wurde Dramaturg und Produzent für Sendungen über Rock und klassische Musik. Bald war er wegen der ständigen Zensur seiner Arbeit desillusioniert. 1989 unterzeichnete er eine von Vaclav Havel verfasste antikommunistische Petition und verlor den Job beim Fernsehen. Er wurde sofort ins Militär eingezogen.

Etzler leistete Militärdienst, als im November 1989 der Kommunismus in der Tschechoslowakei zusammenbrach.

Er kehrte zum Fernsehen zurück, in der Hoffnung auf einen bedeutenden personellen Wandel. Doch nichts dergleichen geschah. Die Leute, die seine Arbeit zensuriert und ihn wegen der Kritik am kommunistischen Regime entlassen hatten, blieben beim Sender und sind dort bis heute in leitender Stellung. Etzler wollte nicht dazu gehören und reiste im August 1991 in die Vereinigten Staaten aus.

Während der ersten sechs Jahre in den USA nahm er jeden erdenklichen Job an: Toilettenreinigung, Bauarbeiten, Betreuung von Alzheimerkranken, Reinigung von Hochhausfenstern. 1996 beschloss er, wieder an die Universität zu gehen, machte die Aufnahmeprüfungen und schrieb sich an der Journalistenschule der University of Colorado in Boulder ein. Er lebte in Denver, als sich im April 1999 der Amoklauf an der Columbine High School ereignete. Alle wichtigen Nachrichtenmedien kamen nach Denver, um darüber zu berichten, und suchten lokale Unterstützung. Etzler wurde von CNN als Fahrer angeheuert.

Er arbeitete eng mit dem CNN-Team zusammen und realisierte, dass er wahrscheinlich nie mehr so nahe an Entscheidungsträger eines grossen Senders herankommen würde. Abends recherchierte er jeweils Stunden im Internet nach neuen Blickwinkeln, aus denen die Tragödie erzählt werden könnte. Vier Tage nach dem Massaker legte Etzler ein paar Ideen für Geschichten vor, die CNN gefielen. Man liess ihn machen, da nicht genug Personal vorhanden war. Innerhalb eines Tages war Etzler vom Fahrer zum Produzenten geworden. Drei Wochen nach Beendigung der Berichterstattung über Columbine bot man ihm eine Stelle beim CNN International Desk in Atlanta an. Noch Jahre später nannten ihn Kollegen bei CNN «das Wunder von Columbine».

Der Bürojob in Atlanta langweilte ihn bald, weshalb er sich um eine Stelle als Field Producer bemühte. Im September 2000 kam er anlässlich der gewaltsamen Globalisierungsproteste an der Konferenz von IWF und Weltbank in Prag zu seinem ersten Auftrag. Nachdem er seinem Vorgesetzten wochenlang Ideen für Geschichten und Berichte aus Prag geliefert hatte, erteilte ihm dieser schliesslich einen Produktionsauftrag. Prag war ein Riesenerfolg, nach dem Etzler zu seinem Bürojob als Nachrichtenredakteur nach Atlanta zurückkehrte. Während der Maul- und Klauenseuche 2001 in England bekam er seinen zweiten Auftrag. Dann ereignete sich 9/11.

Etzler erkannte schnell, was geschehen würde und meldete sich freiwillig für Afghanistan. Man teilte ihm mit, dass er keine Kriegserfahrung habe und CNN nur erfahrene Produzenten entsenden würde, die schon in Tschetschenien und Bosnien waren. Er besorgte sich trotzdem ein Visum für Afghanistan und wartete auf eine Gelegenheit. Diese bot sich im Januar 2002, als ein Produzent zwei Tag vor seinem Einsatz in Afghanistan erkrankte und nicht reisen konnte. Am CNN International Desk herrschte Panik, da unmöglich so schnell ein Reisevisum zu erhalten war. «Ich habe ein Visum», sagte Etzler und 48 Stunden später sass er im Flugzeug.

Dies war ein Wendepunkt in seiner Karriere bei CNN.

Etzler verbrachte drei Monate in Afghanistan. Die Reise brachte ihm grossen beruflichen Erfolg, ab dann war er ständig auf Reisen. Er verbrachte insgesamt je zwei Jahre in Afghanistan und Irak. 2005 wurde er CNN-Produzent in Berlin, berichtete aber weiterhin ausführlich über Konflikte im Mittleren Osten.

2006 heiratete Etzler die China-Korrespondentin des Schweizer Fernsehens Barbara Lüthi. Sie beschlossen, gemeinsam nach Peking zu ziehen. Er übernahm eine Korrespondentenstelle für das Tschechische Fernsehen und blieb weiterhin CNN-Produzent für China und das restliche Asien. So berichtete er beispielsweise für CNN über die Ermordung Osama Bin Ladens 2011 in Pakistan.

2008 erhielt Tomas Etzler einen Emmy für die Entwicklung und Implementierung eines digitalen Systems zur Nachrichtenbeschaffung.

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